Stellungnahme des Ho&Ruck zur
aktuellen
Situation des Tiroler Frauenhaus
Zu Beginn dieser Stellungnahme fordern wir die politisch Zuständigen in Land und Stadt auf, die aktuelle Diskussion rund um das Frauenhaus zu beenden und ein Autonomes Tiroler Frauenhaus mit bestehendem Konzept, bestehendem Verein und Mitarbeiterinnen in ausreichendem Maße zu fördern und damit qualitativ hochwertige Soziale Arbeit mit Frauen die von Gewalt betroffen sind und Schutz für Frauen und Kinder, weiterhin zu ermöglichen.
Das Tiroler Frauenhaus besteht seit 25 Jahren das bedeutet:
- dass das Tiroler Frauenhaus seit 25 Jahren einer Vielzahl an Frauen und Kindern Schutz in einer existentiell bedrohlichen Lebenssituation bietet.
- dass das Tiroler Frauenhaus Frauen ermöglicht(e) aus einer gewalttätigen Beziehung kurz- oder längerfristig auszusteigen oder diese mit Unterstützung der Mitarbeiterinnen des Tiroler Frauenhauses zu beenden.
- dass Frauen in einer lebensbedrohlichen Situation unbürokratisch parteiliche Hilfe erhalten, die Anonymität und vertraulichen Umgang mit persönlichen Daten gewährleistet.
Arbeit gegen Gewalt an Frauen ist ein zentraler Inhalt der Frauenbewegung seit den 1970er Jahren. Gerade in Tirol hießt diese Arbeit konsequent gegen ein gängiges harmonisches Familienbild anzutreten und über Jahre hinweg zu betonen, dass die Familie für Frauen kein sicherer Ort ist, dass auch in Tirol Frauen familiärer Gewalt ausgesetzt sind.
Das Beratungs- und Betreuungskonzept von Frauen, die aus einer gewalttätigen Beziehung (physische Gewalt gekoppelt mit psychischer Gewalt) flüchten, hat sich in einer jahrelangen Praxis und Auseinandersetzung entwickelt und verändert. Grundsätze die vor 30 Jahren formuliert wurden sind international anerkannt und wesentlich in der Sozialen Arbeit mit von Gewalt betroffener Frauen und Kinder.
Das Tiroler Frauenhaus garantiert sowohl eine Einhaltung dieser Grundsätze als auch eine permanente fachliche Weiterentwicklung der Arbeit auf internationalem Niveau.
Das Tiroler Frauenhaus hat sich weiters in verschiedenen Vernetzungsgremien (SPAK, Frauenlesbenvernetzung u.a.) für den Erhalt und die Ausdifferenzierung einer sozialen Landschaft in Innsbruck und Tirol engagiert. Soziale Arbeit auf hohem fachlichen Niveau setzt eine Vielfältigkeit in den Angeboten und den Trägerschaften voraus, denn diese Vielfalt bietet der Klientel von Sozialer Arbeit die Möglichkeit zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen. Damit werden in einer zugespitzten, verengten Lebenssituation Handlungsoptionen eröffnet und nicht zusätzlich verengt.
Die aktuelle Diskussion um eine Übernahme der Trägerschaft für das Frauenhaus durch Stadt und Land lässt sich keinesfalls mit Wirtschaftlichkeit begründen. Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass ein unabhängig geführter Verein seine Mittel (die immer sehr knapp kalkuliert sind) äußerst effizient und sparsam einsetzt und verwaltet – ansonsten wäre es dem Tiroler Frauenhaus nicht gelungen seine Arbeit über 25 Jahre fortzusetzen.
Zusammenfassend sei hier nochmals erwähnt, dass das Tiroler Frauenhaus seit Jahren nach international anerkannten Standards in der Gewaltarbeit arbeitet – unabhängige Trägerschaft, Parteilichkeit, Wahrung der Anonymität und Garantie für den Schutz der Frauen, sowie fachlich hochwertige Betreuungs- und Beratungsarbeit durchgeführt von ausgebildetem Fachpersonal sind neben der Tatsache, dass Frauenhausarbeit von Frauen für Frauen geleistet wird zu nennende Mindestanforderungen. Wir schätzen den Bestand des Tiroler Frauenhaus als wesentlichen Teil einer vernetzten Sozialen Arbeit. Eine Veränderung sowohl im Konzept als auch in der Trägerschaft bringt aus unserer Sicht nur den Nachteil, dass bestehende gut funktionierende Strukturen zerstört werden und neue Strukturen mit wesentlich weniger Erfahrungswissen kostspielig neu errichtet werden müssen, denn Frauen müssen die Möglichkeit haben im Falle von Gewalt Schutz in einer öffentlich finanzierten Einrichtung zu finden.
DAS Elfriede Oblasser,
für das Ho&Ruck
Stellungnahme des ArchFem zur beabsichtigten
Schließung des Autonomen Tiroler Frauenhauses!
Das ArchFem dokumentiert und sammelt seit über 13 Jahren Materialien zur Geschichte und den politischen Aktivitäten der (Tiroler) Frauenbewegung. Auf Basis dieser Materialien können wir historisch nachverfolgen, welche umfassenden theoretischen und praktischen Auseinandersetzungen es innerhalb der Frauenbewegungen mit dem Thema Gewalt gegen Frauen und Gewaltschutz gibt und gegeben hat: Durch Kampagnen, wissenschaftliche Forschungen und praktischen Erfahrungen entstand in frauenbewegten Kontexten ein breites Wissen und eine Vielzahl von Kompetenzen und Professionalität in der Arbeit mit von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern.
Diese wurden in Vereinen – wie dem Tiroler Frauenhaus – weitergegeben und in ständiger Reflexion weiterentwickelt.
Gleichzeitig wird anhand eines historischen Zugangs aber auch deutlich, dass die Öffentlichmachung und damit Ent-Privatisierung von Gewalt an Frauen, der Kampf um gesetzliche Regelungen und Gewaltschutzmaßnahmen ebenso wie eine finanzielle Absicherung von diesen professionalisierten feministischen Vereinen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Betreuung der von Gewalt betroffen Frauen bis heute auf viel Widerstand stoßen. Die Erfahrungen und Kompetenzen, die gesammelt und die Grundsätze, die daraus entwickelt wurden (wie Parteilichkeit, Autonomie etc.), haben immer wieder Kritik von Seiten öffentlicher Politik hervorgerufen. Doch gerade diese Prinzipien und die intensive Beschäftigung mit den strukturellen Grundlagen von Gewalt gegen Frauen und Kindern machen die Qualität einer autonomen Frauenhausarbeit aus.
Das ArchFem erklärt sich entschieden und mit allem Nachdruck solidarisch mit dem Tiroler Frauenhaus uns schließt sich seinen Forderungen nach Erhalt der Autonomie und politischen Unabhängigkeit, nach ausreichender Finanzierung für das Jahr 2006 sowie einer ausreichenden Sockelfinanzierung entsprechend den Qualitätsstandards der Österreichischen Frauenhäuser (Mehrjahresverträge) an.
Autonome Frauenprojekte dienen einer Realisierung von emanzipatorischen Praxis- und Handlungsfeldern und sind damit ein wichtiger Bestandteil einer lebendigen zivilgesellschaftlichen Kultur, die Grundlage jeder demokratisch organisierten Gesellschaft ist oder sein sollte. Damit trägt die Politik und die Arbeit des Tiroler Frauenhauses wesentlich dazu bei, eine Öffnung der politischen Kultur in Tirol in Richtung Geschlechterdemokratie zu befördern.
ArchFem
Interdisziplinäres Archiv für Feministische Dokumentation
Stellungnahme zur Wichtigkeit des Autonomiegrundsatzes
im Tiroler Frauenhaus
„Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen, seitdem in England das erste Haus für mißhandelte Frauen entstand. Inzwischen blicken wir auf eine ebenso lange geführte öffentliche Auseinandersetzung zurück, worin Gewalt gegen Frauen und sexuelle Gewalt als nicht hinzunehmendes Unrecht einer patriarchalen Gesellschaft aufgefasst werden. Die Erscheinungsformen von Gewalt sind vielfältig, wie auch ihr Ort.“ (Hagemann-White u.a.: Parteilichkeit und Solidarität, Kleine Verlag, Bielefeld 1997, S.16)
Als Mitarbeiterin und Vorstandsfrau des Vereins DOWAS für Frauen ist es mir ein Anliegen eine Stellungnahme zur aktuellen politischen Diskussion rund um das Tiroler Frauenhaus abzugeben:
Das Tiroler Frauenhaus stellt einen Zufluchtsort für von Gewalt betroffene und bedrohte Frauen und deren Kinder dar und bietet somit einen Schutzraum für diese Personengruppe.
Aus den Grundsätzen und Leitbegriffen der Frauenbewegung leiteten sich die Prinzipien der Frauenhausarbeit ab, die langjährig bewährte Konzepte gefüllt mit hinlänglicher Erfahrung und Expertinnenwissen beinhalten. Den wichtigen Prinzipien der Parteilichkeit, Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe liegt der Grundsatz der Autonomie zugrunde. Frauen mit Erfahrungen von Gewalt befinden sich in einer akuten Krisensituation. Ihre körperliche und/oder seelische Integrität wurde missachtet und verletzt und damit auch ihre Autonomie beeinträchtig. Durch das Prinzip der Autonomie soll die einzelne Frau in ihrer selbstbestimmten Planung ihrer Lebenssituation gestärkt werden, um ihre emotionale, soziale und finanzielle Unabhängigkeit und Integrität wieder aufzubauen.
Autonomie für Frauenhäuser bedeutet zudem die Etablierung von privaten, gemeinnützigen und parteiunabhängigen Frauenvereinen, um so auch die Hemmschwelle für die betroffenen Frauen gering zu halten und Anonymität zu gewährleisten. Die Unabhängigkeit des Trägervereins kann in den autonomen österreichischen Frauenhäusern nunmehr seit vielen Jahren gewährleistet werden. Sie gehört zu den Grundprinzipien und den Standards der Frauenhausarbeit.
Würde die öffentliche Hand die Trägerschaft eines Frauenhauses übernehmen, hätte dies für die Frauenhausarbeit und die betroffenen von Gewalt bedrohten Frauen und Kinder gravierende Nachteile zur Folge.
Die öffentliche Hand als Träger ist nicht frei von politischem Parteieinfluss, der sich sowohl auf die inhaltliche Konzeptarbeit als auch auf die Aufrechterhaltung der Arbeitsgrundsätze auswirken würde. Laufende Qualitätssicherung basiert auf dem Erhalt dieser durch langjährige Erfahrung geprüften Inhalte, die nicht tagespolitischen Schwankungen und Meinungen ausgesetzt sein dürfen.
Durch die Übernahme des Vereines durch eine öffentliche Trägerschaft wäre des Weiteren das Kriterium der Weisungsungebundenheit verletzt, die sich auf Personalentscheidungen ausdehnen könnte.
Wir unterstützen daher die Forderung nach Autonomie und finanzieller Absicherung des Tiroler Frauenhauses. Es ist Aufgabe und Pflicht der derzeitigen Regierung, sich dieser Verantwortung zu stellen und die Einrichtung finanziell angemessen abzusichern, dies sollte aber nicht durch die Übernahme der Trägerschaft passieren.
Verein DOWAS für Frauen
Mag. Keszleri Beate (Vorstand)
Stellungnahme des KIZ-Teams
Wir sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Kriseninterventionszentrum für Kinder und Jugendliche in Not (KIZ).
Die meisten der Jugendlichen kommen zu uns, weil es körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt im Herkunftssystem gibt, bzw. sie Zeugen und Zeuginnen von Gewalt wurden. Wir wollen den Verwundungen Platz geben, die Kinder und Jugendliche erleiden, wenn sie miterleben und mitspüren müssen, wie ein Elternteil durch einen anderen Gewalt, der Androhung und den Folgen von Gewalt ausgesetzt wird.
Es ist uns unverständlich, daß eine Einrichtung für Frauen und Kinder, die den schlagenden und Angst verbreitenden Partner und oder Familienvorstand nicht mehr aushalten und ihn verlassen wollen, finanziell so gering gehalten wird, daß der Bestand nicht nur gefährdet, sondern mit Oktober 2006 auch beendet ist.
Wir wissen von den Mühen der psychosozialen Mitarbeiterinnen, diesen Ort so heimelig wie nur irgend möglich zu gestalten, doch das autonome Frauenhaus Tirol war bereits in den letzten Jahren finanziell so gering ausgestattet, daß nicht einmal mehr baulich notwendige Renovierungsarbeiten durchgeführt werden konnten.
Weiters musste aufgrund der reduzierten Finanzen der Personalstand auf ein Minimum runtergefahren werden, das uns aufgrund der Erfahrungen aus der Krisenintervention und gerade im Zusammenhang mit Frauen und Kindern aus derartigen Extremsituationen unbegreiflich ist.
Gerade Frauen und Kinder aus traumatisierenden Gewaltverhältnissen sollten ein gewisses Anrecht auf einen gesicherten Fluchtort haben, der nicht von räumlich desolater Enge, reduziertem Personal und bedrohtem Bestand gekennzeichnet ist.
Wir wissen, wie viel Kraft es Menschen, die Gewalt in der unterschiedlichsten Form ausgesetzt waren, abverlangt, wegzugehen und alles hinter sich zu lassen.
Wenn Frauen und Kinder es dann doch irgendwie zuwege bringen, müssen sie aufgrund der geringen Frauenhausplätze in Tirol von den Mitarbeiterinnen auf eine Warteliste vertröstet werden, was in diesem Zusammenhang eine weitere persönliche Katastrophe bedeutet.
Wir sind eine systempartnerschaftliche Einrichtung des Autonomen Frauenhauses und blicken auf eine jahrelang gewachsene, psychosoziale, gemeinsame Zusammenarbeit zurück, mittelbar und unmittelbar. Aufgrund der Verwandtschaft der Themen, von denen die Klientel beider Einrichtungen betroffen ist, gibt es in der Arbeit eine Art gegenseitiger, fachlicher Angewiesenheit, der wir hier Ausdruck verleihen wollen.
Wir sehen im Kriseninterventionszentrum leider die seelischen und körperlichen Auswirkungen (mit-)erlebter Gewalt an den Kindern und Jugendlichen; das sind Wirklichkeiten, die von den Kindern nicht erfunden wurden.
Jugendliche kommen zu uns, entweder selbst oder mit Hilfe der Jugendwohlfahrt, und gehen immer wieder nach Hause, aus Sorge um die Mutter, oder weil sie immer wieder hoffen, daß sich was ändert.
Gerade für Jugendliche, die viel Gewalt erfahren haben, ist es sehr schwer, die Mutter im Herkunftssystem zurückzulassen, und sie schaffen den Absprung häufig nicht, oder nur mit größter Unterstützung durch das Hilfesystem der Jugendwohlfahrt.
Dass es jetzt ab Oktober 2006 nach 30 Jahren Autonomer Frauenhausbewegung im deutschsprachigen Raum in Tirol diesen Ort, wohin die Frauen und Kinder zumindest wenn Platz wäre, zu jeder Tages und vor allem Nachtzeit hinflüchten könnten, ist für uns unvorstellbar.
i.V. fürs KIZ-Team
Fr. Mag-a. Michaela Moser
Solidaritatässchreiben Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft
Frauen des Arbeitskreises Emanzipation und Partnerschaft, Innsbruck waren seinerzeit an der Gründung des Tiroler Frauenhauses mit vielen anderen Frauen beteiligt. Mit dem autonomen Frauenhaus sollte von Gewalt betroffenen Frauen ein Schutzraum geschaffen werden.
Nach 25 Jahren ist leider die Gewalt an Frauen nicht weniger geworden und es bedarf umso mehr dieses Schutzraumes. Nun ist das Tiroler Frauenhaus in seiner Existenz bedroht.
Das Tiroler Frauenhaus ist eine vorbildlich funktionierende Fraueneinrichtung mit hohen Qualitätsstandards. Das Haus hat weder ein Organisations- noch ein Strukturproblem zu lösen, sondern ausschließlich eine Finanznotlage zu bewältigen, verursacht durch die öffentliche Hand und die politisch Verantwortlichen.
Die Lösung ist einfach und liegt auf der Hand: eine ausreichende Finanzierung des Frauenhauses zur Aufrechterhaltung der seit 25 Jahren bewährten Struktur.
Wir schließen uns den Forderungen des Tiroler Frauenhauses an:
- ausreichende Finanzierung des Tiroler Frauenhauses für das laufende Jahr 2006
- Erhalt der Autonomie und politischen Unabhängigkeit
- Bestandsgarantie in Form einer ausreichenden Sockelfinanzierung entsprechend den Qualitätsstandards der Österreichischen Frauenhäuser, abgesichert durch Mehrjahresverträge
Für den AEP:
Dr. Monika Jarosch (Obfrau)
Autonomes Tiroler Frauenhaus muss erhalten bleiben
Diskussion um Trägerschaft entbehrlich
Wien, 24. Juli 2006: „Das autonome Frauenhaus in Tirol muss erhalten bleiben. Wir appellieren an die zuständigen PolitikerInnen des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck die finanzielle Notlage rasch zu beseitigen und die Finanzierung des Frauenhauses auch für die Zukunft abzusichern“, erklärt Maria Rösslhumer im Namen des Netzwerkes der autonomen Frauenhäuser in Österreich. Das Tiroler Frauenhaus habe in den 25 Jahren seines Bestehens Tausenden Frauen und Kindern geholfen, sich vor der Gewalt in ihrem familiären Umfeld zu schützen und sei ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Frauenhäuser-Netzwerkes in Österreich.
In den autonomen Frauenhäusern wird nach Qualitätskriterien gearbeitet, die auf der langjährigen Expertise der Mitarbeiterinnen basieren und auch internationalen Maßstäben entsprechen. „Manche Bundesländer wissen die Verdienste der Frauenhäuser zu würdigen, und bieten ihnen einen entsprechenden Rahmen für ihre Arbeit. Warum das in Tirol nicht möglich ist, verstehen wir nicht“, so Rösslhumer. Die Diskussion um einen neuen Träger lenke von den eigentlichen Finanzierungsproblemen ab.
Die autonomen österreichischen Frauenhäuser haben in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Tausenden Gewaltopfern in Österreich geholfen, sondern auch wesentlich zur Prävention von Gewalt beigetragen. Maria Rösslhumer: „Als die ersten Frauenhäuser in den 1970er Jahren ihre Tore öffneten, handelte es sich um ein absolutes Tabu-Thema. Heute haben wir insgesamt 28 Einrichtungen in Österreich, ein sehr erfolgreiches Gewaltschutzgesetz und die bundesweite Frauenhelpline 0800/222 555. Diese Errungenschaften sind nicht zuletzt auf das Engagement der Frauenhaus-Mitarbeiterinnen zurückzuführen. Solange es Männergewalt an Frauen gibt, solange brauchen wir die Erfahrung und das Wissen der Frauenhäuser und zwar auf abgesicherten, stabilen Beinen.“
Weitere Informationen:
Daniela Almer,
Informationsstelle gegen Gewalt, Tel. 01/544 08 20
Stellungnahme zur aktuellen Situation des Tiroler Frauenhauses
Sehr geehrte politisch Verantwortliche!
Sehr geehrte MedienvertreterInnen!
Unser Verein arbeitet nun seit fast 25 Jahren mit dem Tiroler Frauenhaus zusammen und ist ausgesprochen erstaunt darüber, dass die Existenz dieser Einrichtung in der bestehenden Form öffentlich in Frage gestellt wird. Oder wie will man es verstehen, wenn einerseits seit Jahren darauf verwiesen wird, dass die Einrichtung nicht im notwendigen Ausmaß ausfinanziert werden kann, und nun darüber nachgedacht wird, das Angebot unter eine öffentliche oder teilöffentliche Trägerschaft zu stellen.
Eine öffentliche Trägerschaft (das wird auch von Finanzfachleuten der Sozialverwaltung bestätigt) würde zu beträchtlichen Mehrausgaben für das Land Tirol und die Stadt Innsbruck führen.
Wir kennen das Angebot des Tiroler Frauenhauses gut und wissen, dass hochqualifizierte, engagierte und treffsichere Arbeit geleistet wird. Eine besondere Stärke des Tiroler Frauenhauses war und ist es, akuten Notsituationen von Frauen und deren Kindern schnell und unbürokratisch zu begegnen.
Auch wenn unser Verein zu ca. 75% Männer betreut – für viele der 25% Frauen, die in unserem Verein Hilfe suchen, war und ist das Frauenhaus immer ein wichtiges zusätzliches Angebot. Eine Vermittlung an das Tiroler Frauenhaus bedeutet in der Regel eine wesentliche Verbesserung der Lebenssituation der jeweiligen Frau.
Dass diese spezialisierte Facheinrichtung mit niederschwelligem (z.B. unbürokratischer Zugang) und ganzheitlichem Ansatz (umfassendes sozialarbeiterisches und psychosoziales Betreuungsangebot) trotz chronischer finanzieller Unterversorgung so gute Arbeit geleistet hat, führen wir auch darauf zurück, dass es sich um eine private Einrichtung mit hohem fachlichen Standard, jahrzehntelanger Erfahrung und einem überdurchschnittlich hohem Engagement der Mitarbeiterinnen handelt.
Wir wollen keinesfalls Einrichtungen und MitarbeiterInnen der öffentlichen oder teilöffentlichen Hand diskreditieren, auch hier findet ausgesprochen gute Arbeit statt – aber:
- Immer dort wo es um akute Gefahren- und Notsituationen geht, sollte kategorisch ausgeschlossen sein, dass über „Weisungen“, Interventionen etc. der Schutzcharakter, der in solchen Fällen besonders wichtig ist, gefährdet ist.
- Die jahrzehntelange Praxis und Erfahrung hat gezeigt, wie rasche Hilfe erschwert,
be- bzw. verhindert wird, wenn nicht der Parteilichkeit verpflichtetes Fachpersonal z.B. über die Aufnahme in eine Einrichtung entscheidet, sondern Behördenvertreter oder ein weisungsgebundener Mitarbeiter der öffentlichen Hand.
Ein Beispiel: in einem medizinischen Notfall käme wohl kaum jemand auf die Idee, die Entscheidung nicht dem Arzt/Sanitäter zu überlassen, sondern erst nach Zusage der Kostenübernahme durch die Gebietskrankenkasse Hilfe zu leisten.
Wir wollen auch Weisungen und Weisungsgebundenheit nicht per se negativ darstellen. Es dient jedoch dem Schutz der Hilfesuchenden und dem öffentlichen Rechtsschutzinteresse, wenn Interessenskonflikte nicht strukturell vorgegeben sind.
Wir wollen dieses Schreiben nicht als bloße „Solidaritätsaktion“ für einen befreundeten Sozialverein verstanden wissen, sondern als Versuch, in einer inzwischen öffentlich geführten Debatte mit sachlichen Argumenten die bestmögliche Hilfestellung für Frauen in Gewaltsituationen zu erhalten.
Wir sind zuversichtlich, dass unter Abwägung aller finanzieller und inhaltlicher Argumente die politisch Verantwortlichen dafür Sorge tragen werden, dass bestehende Strukturen erhalten bleiben. Wenn auch nur ein Teil dessen, was eine öffentliche Trägerschaft an Mehrkosten verursachen würde, dem bestehenden Tiroler Frauenhaus zusätzlich zur Verfügung gestellt wird, könnte damit noch mehr und schneller, dringend nachgefragte und notwendige Hilfe geleistet und eine Verbesserung der sozialen Landschaft erreicht werden.
Für den Verein DOWAS
Anita Netzer
Positionspapier bzw. Stellungnahme zum Tiroler Frauenhaus für
misshandelte Frauen und Kinder der „frauen im brennpunkt“
Sehr geehrte Damen und Herren,
unser Verein kommt in seinen verschiedenen Arbeitsbereichen bzw. -angeboten mit Klientinnen und deren Kindern in Kontakt, die Gewalterfahrungen machten.
Im Laufe unseres 20-jährigen Bestehens ist das Team des Tiroler Frauenhauses die verlässlichste und kompetenteste Adresse für Klientinnen, die Gewalterfahrungen im Rahmen ihrer Partnerschaft machten und in Folge eine Unterbringung, Schutz, psychosoziale, rechtliche Beratung und Begleitung benötigen.
Aus diesem Grund ist für unseren Verein das weitere Bestehen des Tiroler Frauenhauses für miss-handelte Frauen und deren Kinder in seiner autonomen Form ein Muss in der psychosozialen Tiroler Landschaft. Eine rasche finanzielle Absicherung der Einrichtung ist unserer Meinung nach eine unab-dingliche Voraussetzung und eine Qualitätsgarantie für die Klientinnen und für die in der Einrichtung arbeitenden Fachfrauen!
Die Autonomie der Frauenhäuser in Österreich ist ein Merkmal ihres Entstehens und ihrer Arbeits-tradition, daher für das Tiroler Frauenhaus bedeutungsvoll und identitätsstiftend. Eine öffentliche Trägerschaft, wie mehrmals in den letzten Wochen medial erwähnt, entspricht nicht der Tradition der Einrichtung und bringt keine finanziellen Vorteile für den Subventionsgeber.
Wir sprechen den Kolleginnen des Tiroler Frauenhauses für misshandelte Frauen und Kinder unsere Anerkennung für ihre engagierte und professionelle Arbeit aus und erklären uns mit Ihrem Anliegen für das weitere Bestehen der Einrichtung und deren finanziellen Absicherung solidarisch.
Reinhilde Wünsch
Vorstand Frauen im Brennpunkt
Stellungnahme zur Trägerschaft
des autonomen Tiroler Frauenhauses
Im Falle einer Übernahme des Tiroler Frauenhauses durch die öffentliche Hand als Träger hätte dies für die Arbeit im Frauenhaus, wie auch für die von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kinder, erhebliche negative Auswirkungen:
Verlust der freien Trägerschaft wirkt sich in inhaltlicher und struktureller Ebene aus:
- Würde das autonome Frauenhaus in Landesstrukturen eingebunden, würden viele Entscheidungen, wie z.B. Einstellung neuer Mitarbeiterinnen, nicht mehr den Expertinnen, sondern hierarchischen und immer noch männerdominierten Trägerstrukturen unterliegen. Eine Weisungsgebundenheit an die Landesstruktur ist anzunehmen. Das würde bedeuten, die Autonomie der Frauenhausmitarbeiterinnen ist nicht mehr gewährleistet. Damit würde eines der wichtigsten Grundprinzipien der Frauenhausarbeit verloren gehen.
- Eine weitere negative Auswirkung wäre der Verlust der Partizipationsmöglichkeit und des fachlich inhaltlichen Austausches, den das Expertinnengremium der „Vereinigung Autonomer Österreichischer Frauenhäuser“ mit sich bringt.
- Verlust der niederschwelligen Zugangsmöglichkeit zum Frauenhaus. Ein Anstieg der Hemmschwelle für die betroffenen Frauen und deren Kinder ist anzunehmen, wenn das Frauenhaus der Landesstruktur und somit auch Regierungsstruktur unterliegt.
- Ein wichtiges Grundprinzip der autonomen Frauenhäuser basiert auf dem Grundsatz „Frauen helfen Frauen“. Das heißt, Frauen organisieren sich und bieten Schutz und Unterbringung. Damit verbunden ist auch der Raum und die Förderung für die betroffenen Frauen ihre eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen bzw. wieder wahrzunehmen. Hierbei spielt die Vorbildwirkung „Frauen können sich selbstständig und autonom organisieren“ eine maßgebende Rolle. Käme es zu der Übernahme des autonomen Trägervereins durch das Land Tirol, dann würde dies für die betroffenen Frauen bedeuten, dass sie sich wiederum in hierarchisch geprägten Strukturen befinden und die oben genannte Vorbildfunktion dadurch wegfällt.
Es ist zu befürchten, dass durch eine Übernahme der Trägerschaft auch die Gefahr einer Kontrolle besteht, inwieweit die von Männern ausgeübte Gewalt an Frauen und Kindern im Land Tirol wirklich thematisiert und öffentlich gemacht werden darf.
Für uns stellt sich die Frage, wieso ein Frauenhaus durch die öffentliche Trägerschaft gerettet werden sollte? Dies würde bedeuten, dass die jahrzehntelange Aufbauarbeit durch die Frauenhausmitarbeiterinnen zunichte gemacht würde und diese somit nicht die dafür gebührende Wertschätzung erhalten.
Was bedeutet dies für die von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kinder, wenn selbst das Frauenhaus von struktureller Gewalt bedroht ist?
Für das Team von Z6-Streetwork
DSA Pamela Ralling, DSA Axel Bitterl
Unterstützungserklärung des Vereins MOHI- Tirol
Sehr geehrte Frau Plattner, liebe Mitarbeiterinnen des Tiroler Frauenhauses!
Als Mitglied des Sozialpolitischen Arbeitskreises( SPAK) ist es dem Verein MOHI-Tirol wichtig auf die derzeit aktuelle Situation des Tiroler Frauenhauses zu reagieren und seine Unterstützung auszudrücken.
Seit Jahren kämpft das Tiroler Frauenhaus für misshandelte Frauen und Kinder aufgrund mangelhafter und nicht ausreichender Finanzierung um sein Fortbestehen. Die Arbeit mit misshandelten Frauen wird von Prinzipien geleitet, die vom Eintreten für Frauenrechte und von der Ermächtigung von Frauen geprägt sind, so dass Frauen und deren Kinder ein Leben in Freiheit und Würde leben können. Gerade dieses Grundrecht auf ein Leben in Freiheit und Würde in einer schutzbedürftigen Situation scheint aber durch eine nicht ausreichende Finanzierung des autonomen Tiroler Frauenhauses gefährdet zu sein. Berücksichtigt man die Tatsache, dass Gewalt – auch strukturelle Gewalt – leider unseren gesellschaftlichen Alltag in großem Maße prägt, scheint es umso unverständlicher, dass die öffentliche Hand die Vertreterinnen des Frauenhauses „alle Jahre wieder“ auf eine Bittstellerinnenposition zwischen den Zuständigkeitsstühlen verweist.
MOHI- Tirol ist es wichtig zu betonen, dass es sich beim autonomen Tiroler Frauenhaus um eine Schutzeinrichtung handelt zu der punktuell und anlassbezogen eine sehr gute Zusammenarbeit existiert und bei der man in Fachfragen auf wirkliche Expertinnen zurückgreifen kann. Neben der finanziellen Absicherung ist sicherlich auch der Aspekt der Autonomie des Frauenhauses wichtig zu betonen. Gerade um die Hemmschwelle für Betroffene gering zu halten und die Anonymität zu gewährleisten ist der Erhalt einer parteiunabhängigen Leitung dringend erforderlich. Das Engagement und die Hilfe für Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind, erfordert kontinuierliche, professionelle Arbeit mit gewachsenen inhaltlichen Grundsätzen und laufender Qualitätssicherung und darf nicht von tagespolitischen Veränderungen beeinflusst werden, wie es bei einer Trägerschaft durch die öffentliche Hand der Fall sein könnte.
In diesem Sinne spricht sich der Verein MOHI-Tirol für eine rasche Lösung rund um die finanzielle Absicherung des Tiroler Frauenhauses und um den Erhalt der Autonomie aus und möchte auf solidarische Weise seine Unterstützung zum Ausdruck bringen.
Mag. Ludwig Plangger
(Geschäftsführer)
Der Verein Frauen gegen VerGEWALTigung nimmt Stellung
Die Geschichte des Tiroler Frauenhaus ist seit nunmehr 25 Jahren zurück zu verfolgen. Eine der wesentlichsten Verdienste dieser Einrichtung ist u. a. die Sensibilisierung der breiten Bevölkerung im Hinblick auf die Problematik Gewalt gegen Frauen und deren Kinder.
Rückblickend war die Arbeit des Tiroler Frauenhaus gekennzeichnet durch einen jahrzehntelanger Kampf um die gesellschaftliche wie auch politische Anerkennung der Problematik häusliche Gewalt. Angefangen mit den ersten intensiven Bemühungen häusliche Gewalt öffentlich zu thematisieren, die damit verbundene gesellschaftspolitische Verantwortung immer wieder vehement ein zu fordern bis hin die hohe Betroffenheit innerhalb der Bevölkerung auf zu zeigen.
Aus diesem Hintergrund ist die Autonomie für Einrichtungen die mit Opfern von Gewalt arbeiten eine zentrale Voraussetzung. Die Weisungsungebundenheit ermöglicht u. a. gesellschaftspolitische Entwicklungen immer wieder kritisch zu hinterfragen und Probleme aufzuzeigen. Für die direkte Arbeit mit den Betroffenen in Opferschutzeinrichtungen bedeutet autonomes Handeln u. a. absolute Parteilichkeit gegenüber den Betroffen, die Wahrung des Datenschutzes (Anonymitäts-Grundsatz) und die Entbindung der Anzeigenpflicht von strafbaren Handlungen. Diese Arbeitsprinzipien gewähren den Betroffenen den Schutz und die Sicherheit einen Ausweg aus der Gewalt zu suchen und stellen einen wichtigen Bestandteil einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung dar.
Die ständig steigende Nachfrage von Betroffenen im Frauenhaus bestätigt die Wichtigkeit dieser Arbeitsstandards, die professionelle Unterstützung durch die Frauenhausmitarbeiterinnen und die vermehrte Sensibilisierung in der Bevölkerung zum Thema Gewalt gegen Frauen und deren Kinder..
Gerade am Beispiel der Geschichte des Tiroler Frauenhaus wird die Notwendigkeit sichtbar, auch zukünftig immer wieder auf neue Problemstellungen und Entwicklungen, die sich aus der alltäglichen Arbeit mit Betroffen ergeben hin zu weisen, gesellschaftspolitische Entwicklungen zu hinterfragen und politische Verantwortung vor in Form einer ausreichenden Finanzierung dieser Einrichtung ein zu fordern.
Verein Frauen gegen VerGEWALTigung
Innsbruck – Sonneburgstrasse 5
Unterstützungserklärung der Aidshilfe-Tirol
Immer wieder aufs Neue befremdet und empört verfolgen wir nun schon seit langem die aufgrund unzureichender Subventionierung seitens der öffentlichen Hand sich immer weiter zuspitzende Finanzmisere des Tiroler Frauenhauses und nehmen - auch dies immer wieder ungläubig, weil sich noch immer nichts verändert hat - jene Berichte zur Kenntnis, die den hohen Renovierungsbedarf des Hauses und die daraus und aus den zu geringen räumlichen Kapazitäten resultierenden Unzumutbarkeiten für Bewohnerinnen, deren Kinder sowie für die Mitarbeiterinnen zum Inhalt haben.
Ausschließlich mit blankem Unverständnis stehen wir der neuesten Entwicklung in der Causa Frauenhaus gegenüber, dem Vorhaben, das Frauenhaus durch die Installierung einer öffentlichen Trägerschaft "retten" zu wollen.
Das Frauenhaus bedarf, damit stimmen wir überein, tatsächlich dringend der "Rettung" - und zwar in Form einer ausreichenden und adäquaten Finanzierung durch die Erhöhung der Sockel-Subvention sowie durch das zur Verfügung Stellen adäquater und geeigneter Räumlichkeiten.
Eingriffe inhaltlicher Natur - wie die Installierung einer Trägerschaft einen darstellen würde - wären aus unserer Sicht völlig verfehlt und kontraproduktiv und würden weit eher denn eine Rettung, deren Gegenteil, nämlich eine Gefährdung bewirken, indem damit etwa ein so zentrales Element wie die Autonomie dieser Einrichtung in Frage gestellt wäre. Nicht zuletzt diese Autonomie ist es aber, die die Arbeit des Frauenhauses so überaus klientinnengerecht, und damit situations- und bedürfnisadäquat und die Angebote für Betroffene in so hohem Maße zugänglich und niederschwellig macht.
Auch die AIDS-Hilfe Tirol arbeitet mit Menschen, deren Situation dadurch gekennzeichnet ist, dass sie, vor und neben allem anderen, mit einer Problematik belastet sind, die sich mit den Begriffen Tabu und Stigma charakterisieren lässt - Aspekte, auf deren Vorhandensein auch häufig in Zusammenhang mit von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern verwiesen wird.
Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir, welch immenser Anstrengungen und vielfacher Anläufe seitens Hilfesuchender es häufig bedarf, bis sie jene Schwelle überschreiten können, hinter der die dringend benötigte Unterstützung zu finden ist. Denn diese Schwelle zu überschreiten, bedeutet auch immer das Eingeständnis, betroffen zu sein.
Der Umstand, eine autonome und unabhängig arbeitende Einrichtung, die nicht Teil eines größeren Einrichtungsverbunds oder Teil der von Land oder Stadt direkt zur Verfügung gestellten Unterstützungsangebote darstellt, zu sein und als solche wahrgenommen zu werden, kann Betroffenen diesen Schritt in nicht zu unterschätzendem Ausmaß erleichtern bzw. überhaupt erst ermöglichen und damit jenen niederschwelligen Zugang zu Hilfe und Unterstützung, wie er gerade auch für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder so unabdingbar notwendig ist, schaffen und gewährleisten.
Aber auch Anonymität und Vertraulichkeit, zentrale Aspekte jedweder psychosozialen Arbeit - im gegenständlichen Fall für die betroffenen Frauen darüber hinaus und im wörtlichen Sinne überlebenswichtig - wird unabhängigen und autonom arbeitenden Institutionen ohne Anbindung an einen öffentlichen Träger weit eher zugeschrieben oder "zugetraut" - und ist wohl auch tatsächlich in je höherem Ausmaß zu gewährleisten, je kleiner und überschaubarer eine Einrichtung ist und je unabhängiger sie arbeiten kann. Ein solches Höchstmaß an Anonymität wiederum trägt nicht unwesentlich dazu bei, dass Unterstützungsangebote auch dann angenommen werden können, wenn die dahinter stehende Problematik eine mit Scham, Stigma und Tabu assoziierte ist.
Das Tiroler Frauenhaus blickt heuer auf 25 Jahre erfolgreicher, engagierter und überaus qualitätvoller und professioneller Arbeit zurück. Die Tiroler Soziallandschaft wäre, gäbe es diese Einrichtung nicht mehr bzw. nicht mehr in dieser ihrer spezifischen Struktur und Gestalt, deutlich verarmt, die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder wären dies dann, was ihre Schutz- und Veränderungsmöglichkeiten anbelangt, wohl über alle Maßen.
Die AIDS-Hilfe Tirol fordert daher die zuständigen PolitikerInnen in aller Dringlichkeit auf, das Tiroler Frauenhaus finanziell abzusichern, es mit adäquaten Räumlichkeiten auszustatten und dafür Sorge zu tragen, dass sein Fortbestand und seine Arbeit, basierend wie bislang auf seiner konzeptuellen Verankerung in der autonomen Frauenhausarbeit und deren Prinzipien, auch künftig gewährleistet ist.
Das Team der AIDS-Hilfe Tirol